Misteltherapie

Nach Hinweisen von Rudolf Steiner (Begründer der Anthroposophie) begann die niederländische Ärztin Ita Wegman 1917 in Zürich die ersten Mistelpräparate an  krebserkrankten Patienten subkutan zu verabreichen. Diese Anwendungen wurden in den letzten 100 Jahren erfolgreich weiterentwickelt. In einigen europäischen Kliniken wird die Mistel nicht nur subkutan (unter die Haut) verabreicht sondern auch intravenöse (in die Vene) oder auch tumornahe injiziert. Dadurch kommt es zur einer adäquaten Fieberinduktion, die der „Kältererkrankung“ Krebs entgegenwirkt.

Pflanzenbetrachtung

Das Mistelblatt

Die Mistel ist eine der allergrünsten Pflanzen. Im Sommer heben sich die Misteln durch ihr dichtes Grün wie dunkle Nester vom grünen Laub des Wirtsbaumes ab. Im Winter entdeckt man sie durch ihr frühlingshaft wirkendes, erfrischendes Grün vor dem Hintergrund der dunklen, kahlen Äste und Stämme der Laubholzwirte wie Vogelnester.

Gewöhnlich bleiben die Blätter der Mistel nach ihrer Bildung im Frühling bis zum nachfolgenden Jahr am Busch. Die Blätter fallen in grünem, frischen Zustand ohne Anzeichen von Verfärbung und Eintrockung ab. Die gefallenen Blätter enthalten große Mengen von Proteinen. Mistellektine sind noch in bedeutenden Konzentration vorhanden, und das stickstoffreiche Chlorophyll bleibt kaum angetastet.

Die Stängel der Mistel

Die Stängel einer Mistelpflanze sind über mehrere Jahre bis ins Innerste grün, während der Wirtsbaum sich schon im ersten Jahr durch durch verholzt zeigt.

Die Mistelblüten

Die Blüten der Mistel sind unscheinbar klein und gelblich-grün. Kelch- und Kronblätter sind nicht ausgebildet

 Die Mistelfrucht

Das Wachstum der Mistelfrucht verläuft mit einer Konstanz von Ende April bis zur Vollreife im Dezember. Dieser Aufbauprozess ist begleitet von Reifeprozessen, die zum Abbau des Chlorophylls und zum Hervortreten der weißen Farbe führen. Nach der Vollreife im Dezember verbleiben die Beeren auf dem Mistelbusch, bis sie von Vögeln gefressen werden oder im Laufe des nächsten Jahres zu Boden fallen.

Der Same der Mistel

Der als „Scheinsame“ bezeichnete Kern der Mistelfrucht entsteht nicht in einer sog. Samenanlage, sondern der sog. Embryosack liegt im verschleimenden Gewebe.


Die wichtigsten Substanzen sind die Viscotoxine und die Mistellektine. Viscotoxine haben einen hohen Schwefelgehalt. Die Mistellektine bestehen aus großen Komplexen von Eiweißverbindungen.

Im Zelltest wirken die Viscotoxine an der Peripherie der Zeilen. Sie führen, indem sie die Zellmembran durchlässig machen, zur Ausdehnung der Zellen und schließlich zum zentrifugalen Ausfließen, zur Nekrose. Die Mistellektine hingegen führen bei gewaschenen roten Blutzellen durch Bindung an die Zuckerstruktur der Zelloberfläche zur Agglutination, zur Immobilisierung der Zellen und gleichzeitig zu einer Stabilisierung der Zellmembran.

Die Bildung der Viscotoxine findet ausschließlich in der ersten Jahreshälfte statt. Die Mistellektine hingegen erreichen ihr Maximum im Dezember beim tiefsten Stand der Sonne.

Die weißbeerige Mistel Viscum album bildet als Pflanze eine botanische Extremform aus. Ihre pflanzlichen Organe sind im Vergleich zur üblichen Pflanzengestaltungen sehr reduziert, und ihre Wachstumsdynamik ist sehr verlangsamt. Aber sie kann dadurch – dem Jahreslauf völlig entgegengesetzt – ausgerechnet im Winter blühen und fruchten.

Wirtsbäume

Mistelpräparate werden sowohl aus Laubbäumen als auch aus Nadelbäumen hergestellt. Sie unterscheiden sich in ihrem Lektin und Viscotoxingehalt. Es gibt eine Sommer- und Winterernte. Sie werden fermetiert und zum Teil maschinell hergestellt. Die Wirtsbaumwahl hängt von der Krebsart (bei onkologischer Verwendung der Mistel) und dem Allgemeinzustandes des Patienten ab.

Die Wirksamkeit der Mistel

Das Wirksamkeitsspektrum der Mistel ist folgendes:

  • zytotoxische Wirkung

  • Apoptoseinduktion

  • immunologische Modulation/Stimulation

  • Antiangiogenetische Effekte

Laborchemisch ist die Wirksamkeit der Mistel durch eine Eosinophilie und Lymphozytose erkennbar.  Für die Anregung des Immunsystems ist eine Quaddel (wie bei einem Insektenstich) von ca 1-2 cm im Durchmesser wichtig.

In wissenschaftlichen Studien konnte eine positiver Effekt auf die Lebensqualität während und nach der Chemotherapie bzw Bestrahlungstherapie beobachtet werden.

(Quelle: Mistelforschung und Krebstherapie; Autoren: Selg, Orange, Ramm, Poechtrager; Verlag des Ita Wegman Instituts)