Wickel und Kompressen

Das Wohlbefinden fördern, den Stress abbauen, den Schlaf unterstützen, Schmerzen und gesundheitliche Beschwerden lindern: All dies sind wirkungsvolle Anwendungsmöglichkeiten für Wickel und Kompressen.

Diese Maßnahmen gelten als altbewährte „Heilmittel“. Bereits in den Schriften von Hippokrates sind Anwendungen mit Wasser und Baumwolle oder Öl und Baumwolle zu Linderung von Leiden erwähnt. Das Wissen beruht auf Erfahrungen von Generation zu Generation und wird, in der Regel von Frau zu Frau, weitergegeben.  Schon vor der Entdeckung des Penicillins wurden bei der Lungenentzündung Senfwickel erfolgreich zum Einsatz gebracht.

In der anthroposophischen Medizin sind sie ein zentraler Bestandteil der Therapie. In der klassischen Medizin gehören Wickel und Kompressen heute in einem viel umfassenderen Sinn zu den physikalischen Anwendungen, welche vor allem in der Physiotherapie immer häufiger aber auch im Pflegebereich genutzt werden.

Wickel und Kompressen dienen nicht nur zur Steigerung des Wohlbefindens und Unterstützung der körpereigenen Kräfte, sondern auch zur Linderung von Beschwerden. Sie werden im Rahmen der Gesundheitsförderung auch dazu eingesetzt sich zu entspannen und sich dem Alltagsstress zu entziehen.

 

Definitionen

Wickel
ein Körperteil zB Fuß, Bein, Arm wird mit einem oder mehreren Tüchern umwickelt. Zur Wirkung gelangen Zusatzstoffe und/oder Temperaturreize wie kalt/temperiert/heiß. Das innere Tuch ist Substanzträger.

Kompresse, auch Auflage genannt
Auf eine bestimmte Körperpartie (Brust, Bauch) wird ein Tuch gelegt. Entsprechend der Auflagenstelle erhält die Kompresse ihre spezifische Bezeichnung wie „Bauchkompresse“, „Brustkompresse“. Die Kompresse ist Substanzträger.

Wirkung

Die Wirkung von Wickeln, Umschlägen und Kompressen beruht auf einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren:

  • physikalische Wirkung

Durch den Temperaturreiz werden die auf der Haut befindlichen Rezeptoren aktiviert. Der Reiz wird an die Nervenbahnen weitergeleitet und über das Rückenmark zu den jeweiligen inneren Organen.

  • Psychosoziale Wirkung:

Wickelanwender und Wickelempfänger stehen im Gespräch miteinander. Von der Auswahl der Anwendung bis zur Durchführung und Ruhezeit. Eingepackt sein in einen Wickel, gibt Halt und vermittelt das Gefühl, „umhüllt“ zu sein. Ist alles im Einklang kommen Körper, Seele und Geist zur Ruhe. Eine Selbstanwendung ist ebenso möglich.

  • Pharmakologische Wirkung:

Die Wirkstoffe der Wickelzusätze werden ganzheitlich aufgenommen. Es ist sowohl eine Aufnahme der Wirkstoffe durch die Haut als auch durch das Riechen von ätherischen Ölen möglich. Die Ausscheidung geschieht über die Nieren, die Haut und die Atmung. Die Wirkung der Pflanzen beruht auf einem Zusammenspiel der unterschiedlichen Inhaltsstoffe der jeweiligen Pflanze.

Die Wickel und Kompressen können kalt, warm oder heiß angewendet werden.

 

Wärme
unterstützt das Wohlbefinden, reduziert Spannungszustände und dient zur Krampflösung. Wie zum Beispiel bei Bronchitis, Blasenentzündung, Stirn- und Kieferhöhlenentzündung.

Temperierte Wärme
wird bei chronischen, nichtentzündlichen Schmerzen angewendet, zum Beispiel bei Muskelverspannungen und rheumatischen Beschwerden

Kälte
dient der Schmerzlinderung bei Sportverletzungen, Verstauchungen, Quetschungen, Prellungen sowie bei akuten Hals- und Gelenksschmerzen oder Nervenentzündungen.
Bei Kneippanwendungen wird Kälte zur Anregung des Stoffwechsels und zur Wiedererwärmung eingesetzt.

 

(Quelle: Wickel und Kompressen, Autoren: Brumm; Ducommun-Capponi, AT-Verlag)